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Impulsvortrag mit Angelika Thiel - 12.04.2018

Von links: Sylvia Bogenreuther, Angelika Thiel, Angelika Weiß, Evelin Jordan

Als Referentin im MehrGenerationenHaus Ansbach war Angelika Thiel, Vorstandsmitglied des Katholischen Deutschen Frauenbunds (KDFB) Landesverband Bayern eingeladen. Die examinierte Krankenschwester und politisch engagierte Frauenbundfrau hielt ein Referat zum Thema "Wo steht die professionelle Pflege? Praxis, Tatsachen und Fakten im Kontext und Konflikt". Angelika Thiel berichtete ausführlich über die Missstände in der Pflege durch die deutsche Gesundheits- und Pflegepolitik. Sie kritisierte auf der einen Seite, dass das Gesundheitssystem alle Krankenhäuser dazu zwingt, stärker zu sparen als gut ist. Der Höhepunkt der Not in den Krankenhäusern war durch die Privatisierung von Häusern und der Einführung der diagnosebezogenen Fallpauschalen erreicht worden. Pflegekräfte seien zum Kostenfaktor verkommen, Patienten zum Wirtschaftsgut. Seit 1995 sparten Kliniken bundesweit 25.000 Pflegekräfte ein. Der vorhandene Mangel an Pflegekräften habe zur Folgen, dass es zu mehr Wundinfektionen, Lungenentzündungen und Harninfektionen in den Kliniken komme.

Andererseits warnte Thiel vor dem Personalmangel in der stationären Altenpflege. Die Bundesagentur für Arbeit registrierte im Dezember 2017 rund 24.000 unbesetzte Stellen in der Altenpflege. Durch die Arbeitsintensivität, Überbelastung und Überstunden seien die Altenpflegekräfte besonders von BurnOut und Depressionen betroffen. Laut dem aktuellen Pflege-Qualitätsbericht des Medizinischen Dienstes des GKV-Spitzenverbandes erfolge beispielsweise bei jedem 4. Pflegebedürftigen in der stationären Pflege die Wundversorgung nicht nach aktuellem Wissensstand. Bei fast einem Fünftel der Pflegebedürftigen mit Schmerzen erfolge auch keine systematische Schmerzeinschätzung.

In ihrer Not würden Pflegerinnen und Pfleger in jährlich Tausenden Gefährdungsanzeigen ihre Heim- und Klinikleitungen vor den Gefahren für Bewohner, Patienten und sich selbst warnen. Beängstigende Hilferufe, die ohne Konsequenzen blieben!

Thiel lege außerdem dar, dass gerade auch die Situation der Pflege-Azubis sorgeerregend ist. Abgesehen davon, dass es immer schwieriger ist, ausreichend gute Auszubildende zu finden, wird die Qualität der Ausbildung in der Praxis besonders durch die Schüler selbst bemängelt. Die Azubis werden im Dienstplan miteinberechnet und ersetzen teilweise bei Krankheitsfällen auch Pflegefachkräfte.

Zum auf dem Weg gebrachten Pflege-Paket des bayerischen Kabinetts unter Ministerpräsident Markus Söder und Pflegeministerin Melanie Huml verspreche laut Angelika Thiel keine Verbesserungen für die professionelle Pflege. Die Investitionskostenförderung für jährlich 1000 stationäre Pflegeplätze und 500 Kurzzeitpflegeplätze seien sehr zu begrüßen und auch notwendig. Wie die dafür unersetzbaren Pflegekräfte gewonnen werden können, bleibe offen.

Festzuhalten bleibe, dass der demografische Wandel die Pflege in doppelter Weise treffe. Mit der Alterung der Bevölkerung steigt die Nachfrage nach professioneller Pflege. Zugleich sinkt das Arbeitskräftepotential, aus dem Bedarf nach Pflegekräften gedeckt werden können. Schließlich werde für Deutschland im Jahr 2050 mit mindestens 4,5 Millionen Pflegebedürftigen gerechnet. Aktuell sind es 3,3 Millionen Pflegebedürftige.